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Geschichten ums Laufen

Für die Inhalte der Berichte ist nicht der Webmaster verantwortlich, nur der Autor;-)

 

        Autor: Ulrich Hermes

        Autor: Johannes Eilinghoff

          Autor: Martin Kampert

          Autor: Ulrich Hermes

         Autor: Ulrich Hermes

        Autor:Johannes Eilinghoff

 

 

 

 

1226 km und 104 Std. bis zur Bestzeit

 

 

Wie es dazu kam:

 

Eigentlich war es nur Zufall das ich den Bericht der Fa. Wilo in der Fachzeitschrift Willy fand, einen Beitrag über den Kölnmarathon 2004 an dem die Betriebssportgruppe der Firma Wilo teilnahm. Da auch ich in Köln gelaufen bin (mit einem miserablen Ergebnis) interessierte mich dieser Bericht. Am Schluss war da noch ein Hinweis auf den Karstadtmarathon 2005 an dem man mit einer Trainingsgruppe teilnehmen wolle, es würden aus allen Bewerbern 25 Teilnehmer ausgelost die dann durch ein Trainingsteam auf den Marathon professionell vorbereitet würden. Dieses Training mit allem drum und dran sollte einen Wert von € 500.- haben. Nun hatte ich Blut geleckt und sofort eine Bewerbung per E-Mail verschickt jedoch mit wenig Hoffnung da ich bis jetzt noch nie etwas gewonnen hatte.

 

3 Wochen später, eine E-Mail meldete sich an meinem Arbeitsplatz in der Firma. Ahnungslos und ohne Erwartungen öffnete ich die Mail und meine Arbeitskollegen hörten einen Freudenschrei.

 

ICH WAR DABEI!

 

Das Training sollte von einer Trainingsgruppe des Hubert Schwarz Teams geleitet werden. Enttäuschung stellte sich ein, wer war Hubert Schwarz ich hatte mit einem alten Laufhasen Wessinghage oder so gerechnet, doch da war eine Internetadresse angegeben. Neugierig ging ich auf die Seite www.hubert-schwarz.com und ich bekam den Mund vor staunen nicht mehr zu. Ein Extremsportler für den es scheinbar keine Grenzen gab verbarg sich hinter diesen Namen. Ein Motivator wie er im Buche steht, so sollte es sich später herausstellen hatte ein Zentrum errichtet mit Trainingsteams in verschiedenen Bereichen. Nun wurde ich nervös und machte alles um mich herum verrückt.

 

 

Hier sofort meine Entschuldigung an alle denen ich in den folgenden 4 ½ Monaten bis zum Marathon auf den Geist ging.

 

 

Das erste Treffen:

 

Am 04.12.2004 war es dann soweit, wir trafen uns das erste mal in Dortmund im Tagungszentrum der Fa. Wilo. Nach der Begrüßung der Initiatoren Dirk Geißler und Bettina Fetting hielt Hubert Schwarz seinen Vortrag. Ich war beeindruckt von dem was er von sich gab. Eigentlich gibt es für den Körper fast keine Grenzen, wenn der Kopf nur will. Nach dem Mittagessen wurde nun der Projektleiter Tom Aigner vorgestellt der von nun an meine Trainingstage für die nächsten 4 ½  Monate bestimmen sollte, und das nicht schlecht wie sich später herausstellen sollte.

Es wurde noch ein Leistungstest gemacht, nach der Lacktatauswertung stand fest wie unser Leistungsstand war. Bei mir ergab sich eine Marathonendzeit von 3:28:00. Meine Vorstellung von diesem Training war es auf jeden Fall den Marathon in Bestzeit zu laufen, ich gab an um die 3:15:00 laufen zu wollen.

 

Das Training:

 

Ich musste mich nun an ein ganz anderes Verhalten im Training gewöhnen. Nicht mehr KM bolzen, es ging nur um die Zeit und die Frequenz. Langsames Laufen war gefragt, Frequenzen um 155 (L2) oder nur 140 (L1) die langen Läufe sogar nur bis max. 130 Puls. Puh, war das langweilig sonst bin ich fast immer auf 75-80% meiner Leistung gelaufen, zum einschlafen war das und einmal in der Woche durfte ich nur Gas geben. Ich begann zu zweifeln ob das alles so richtig war denn so schlechte Leistungen hatte ich bis jetzt in den Wettkämpfen nicht abgegeben, doch ich wollte es durchziehen. Die erste Bestätigung kam dann beim Sylvesterlauf in Werl mit neuer Bestzeit, das Training konnte also nicht so verkehrt sein.

Die Trainingsumfänge erhöhten sich und das Wetter wurde immer schlechter, Schnee und Eis verdarben einem die Freude daran. Dann kam das nächste Treffen am 29.01 mit der Gruppe in Dortmund, nur einfach so um einen Lauf über 90 min zusammen zu machen, ich war erstaunt darüber das fast alle Läufer selbst zu diesem Termin aus ganz Deutschland kamen. Ob aus Dresden oder dem Schwarzwald, Köln oder der Nordsee, alle waren sie da. Der Lauf ging 18 km über die Trainingsstrecke der Läufer von Bittermark, nun wusste ich warum die keine Angst vor der Sauerlandserie haben, „im Pott gibt es Berge“. Und weiter ging es im Trainingstrott, bis zu 5 Einheiten in der Woche abwechselnd Intervall, schneller Lauf und der langweilige 3 Std.- Lauf mit max. 130. Gut das ich bei manchen langen Läufen Gesellschaft von Johannes hatte der sich auch auf diesen Marathon vorbereitete, so gab es immer etwas zu erzählen.

Der nächste Termin am 05.03 in Dortmund stand an, der RE Test. Er sollte zeigen wie sich das Training  auf uns ausgewirkt hat und gleichzeitig war ein Halbmarathon am 06.03 in Haltern angesetzt. Das Wetter war immer noch schlecht und viele Wege waren immer noch vereist. Nun, ich kam mit einer leichten Erkältung dorthin und der Lacktat - Test zeigte eine nach meiner Meinung schlechtere Kurve als beim ersten mal. Enttäuschung machte sich breit. Meine geschätzte Marathonzeit sank auf 3:30, trotzig sagte ich das ich es beweisen werde und doch Bestzeit laufen werde ein Grinsen kam über Tom`s Gesicht mit dem Kommentar mal schauen versuch es mal mit 3:20.

Nun kam das Rennen in Haltern, es war kalt und die Strecke konnte nicht gelaufen werden, wir mussten 4x über eine 5km Strecke die in einem miserablem Zustand war. Johannes und Craig waren aus unserem Verein auch mit dabei. Zu warm angezogen, mit zu glatten Schuhen und einer Erkältung im Anmarsch begab ich mich mit Tom an meiner Seite auf die Strecke die ich nun unter 1:30 schaffen wollte. Nix war es damit, zu schnell gestartet, 2x auf allen vieren gelegen deprimiert kam ich mit 1:33 ins Ziel und die Strecke war noch nicht einmal 21 km lang.

Es war für mich wie ein Schlag ins Gesicht als ich die Mail las mit unseren Marathonzeiten die sich an die Leistung vom 6.03  hielten. Nix war es mit Bestzeit, ich machte mit großem Frust erst einmal eine Woche Pause um die Erkältung los zu werden.

In der nächsten Woche musste ein Telefonat mit Tom her, so konnte es nicht weiter gehen. Der Trainingsplan wurde umgestellt auf mehr Intervalltraining, die langen Distanzen sollte ich mir sparen da ich schon genug Kilometer gelaufen hatte. Das Wetter wurde besser und meine Leistung stieg an. Um nun zu wissen wo ich stehe bat ich Tom einen Lauf zu ändern, nicht 2 Std. bei 130, sondern meine Langstrecke von 32 km im Marathontempo zu laufen. Da ich immer noch Bestzeit im Kopf hatte nahm ich mir nun eine Zeit von 3:17:00 vor was bedeutete das ich den Kilometer mit 4:40 laufe. Der Test klappte hervorragend, alleine und ohne Wettkampfgefühl legte ich einen Schnitt hin von 4:43 und war mit mir zufrieden. Da die Intervalle immer besser verliefen war ich voll Optimismus.

 

Der Tag zuvor:

 

Erst ging es zur Marathonmesse um die Startunterlagen  abzuholen. Anschließend ein Bummel über die Messe (hatte mehr erwartet). Um 19.00 Uhr war dann das Treffen mit der Laufgruppe zur privaten Pasta Party, genial kann ich nur sagen, toll organisiert von der Fa. Wilo wie alles andere auch. Noch einmal alle in Ruhe sprechen und dann wurden die Läufer in die Gruppen eingeteilt und den Zugläufern zugeordnet. Zu uns kam der Tom mit einer Endzeit auf 3:20:00 die er genau einhielt wie es sich später herausstellte. Mit dem Andreas und Thomas „jed. leicht lädiert“ waren zwei Läufer da die noch schneller laufen wollten und ich mitten drin.

 

Der Wettkampf:

 

17.04.2005 5.50 Uhr, warum stellte ich mir überhaupt den Wecker? Nervös war ich eh schon eine halbe Stunde vorher aufgewacht. Wir wollten um 7.30 Uhr abfahren, also raus aus dem Bett und unter die Dusche. Nach dem Frühstück konnte ich es kaum erwarten abgeholt zu werden. Endlich ging es los. Als wir um 8.45 am Startplatz auf der Provinzialstr. eintrafen war schon prächtige Stimmung und ich suchte den Treffpunkt der Truppe auf, ein Gemeinschaftsfoto und ab ging es in die Startblöcke. Im nu standen wir am Ende vom Block A und schon ging es los. Der erste Kilometer schleppte sich so dahin 4:54 für den Start, viel zu langsam und schon fragte ich mich was die Läufer mit Startblock E hier zu suchen hatten, wahrscheinlich fehlte eine Beschreibung dazu das nicht E wie ERSTER gemeint sei ;-).

Die ersten 10 Km lief ich mit Andreas und Thomas mit, oder sie mit mir egal, wir waren auf jeden Fall zu schnell und ich lies sie ab KM 12 laufen, denn ich hatte halt viel Respekt vor den letzten 5 km. Weiter ging es dann alleine immer noch unter dem Schnitt von 4:40 doch ich fühlte mich hervorragend. Ab Km 20 bekam ich dann Begleitung von einer Frau die einen Zugläufer brauchte, sagte sie zumindest und fragte was ich vor hätte und ob ich die 4:30 halten könne. Ich sagte ihr das ich es bis KM 30 bestimmt könne und sie schloss sich mir an. Bei KM 30 hatten wir dann genau 2:15 und ich sagte ihr das ich gleich aus dem Tempo aussteigen werde da ich nun mit einem 5er Schnitt mein Ziel erreichen würde, sie bedankte sich und verschwand nach weiteren 2 km aus meinem Blickfeld. Nun wurde es Ernst, die Steigungen begannen und ich war froh frühzeitig das Tempo gedrosselt zu haben. An der Straßenseite KM33 stand ein Mann verkleidet als Thor der Mann mit dem Hammer, noch konnte ich darüber grinsen, doch er sollte mich doch noch kriegen denn es viel mir immer schwerer das Tempo zu halten. In den Steigungen musste ich sogar auf 5:30 runter. Dann bei KM 38 sah ich Thomas vor mir auftauchen, eine neuer Reiz, ein neues Ziel. Ihn wollte ich noch schlucken und zog mich immer weiter an ihn ran. Bei KM 39.5 hatte ich ihn und sah das es ihm sehr schwer fiel mit der Verletzung zu laufen. Es sollet nun nicht mehr weit sein, ein Getränkestand kam und ich war so fertig das ich das erste mal an einem Stand ging ( habe mich sonst im Laufen verpflegt ) und mich in Ruhe mit Cola und Wasser versorgte. Noch einmal lief ich an Thomas vorbei der mich am Getränkestand wohl überholt hatte und ich kam dem Ziel immer näher. Da war es nun, das ZIEL für das ich so lange geschuftet hatte. Mit einer Zeit von 3:16:11  (Bestzeit) überquerte ich überglücklich die Ziellinie.

 

Und danach:

 

Mit einem enormen Glücksgefühl erreichte ich die Versorgungszone und begab mich schnellstens nach einigen Weizen (alkoholfrei) in den Dusch- und Massagebereich. Dort trafen wir nach einiger Zeit Tom der den Lauf genau in seiner Zugzeit beendet hatte und er sagte mir das er immer Ausschau gehalten hätte ob sie uns noch abfangen würden. Hat er mir denn wirklich die Zeit nicht zugetraut ;-).

 

Fazit und Dank:

 

Ich musste feststellen das es ein harter Weg zur Leistungssteigerung ist. In 4 ½  Monaten 1226 km und 104Std 23min laufend unterwegs ist eine menge Holz um die eigene Bestzeit um einige Minuten zu verbessern. Bei einer flacheren Strecke sind event. noch 3-4 Min drin, doch ich werde das nicht mehr ausprobieren. Warum nicht werden nun einige denken, nun wenn ich das Rennen an mir vorbeiziehen lasse bemerke ich das ich fast nichts um mich herum bemerkt habe, keine Stimmung mitbekommen oder markante Punkte beachtet habe und es soll doch Spaß machen. Also ihr Genussläufer ich komme!!

 

Vom Trainingsaufbau werde ich viel mitnehmen und es auch versuchen weiter zu vermitteln.

 

 

Nun muss ich noch ein wenig Danke sagen:

An Bettina und Dirk, die alles so toll organisiert haben.

An Tom und sein Team, tolle Leistung die ihr da gebracht habt.

An Johannes, der mich bei vielen langen Läufen begleitet hat.

An die Mitglieder der Road Runners Anröchte, die Verständnis aufgebracht haben für mein Trainingsverhalten.

Und nun der größte Dank an meine Familie, die es mir möglich gemacht hat die Zeit ohne Stress für das viele Training aufzubringen.

 

 

Ulrich Hermes 28.04.05

 

 

Von 0 auf 42 – meine Geschichte über das Laufen

 

Wie alles begann

Es war Ende März 2004, die ersten Sonnenstrahlen ließen die Natur erwachen und nach vielen Jahren, in denen ich meinen im Büro verweichlichten Körper vernachlässigt hatte, wandelte sich in mir die Lust an, doch endlich mal wieder etwas für meine Fitness zu tun. Ich rief einen Bekannten, der einen Laufverein in unserem Ort betreut mit der Frage an, ob man als Neuling auch am Training teilnehmen dürfe. Er lud mich sofort für den ersten Samstag ein. Das wäre der Termin für den „Jedermannslauf“. Samstags wird eine Waldrunde von nur 1,3 km absolviert, diese jedoch 10 mal. Ich erschien pünktlich und wurde sogleich von ungefähr acht Mitläufern bemustert. Wir starteten in einem ruhigen Tempo, was für mich jedoch schon oberstes Limit bedeutete. Nach nur drei Runden war ich platt wie ein Brötchen und pfiff aus dem letzten Loch. Ich habe mich dafür fast geschämt. Die anderen haben ihren Lauf fortgesetzt und ich war am Zweifeln, ob Laufen die richtige Sportart für mich sei.

Ich gab meinem inneren Schweinehund einen Tritt und nahm mir vor für das nächste Training in zwei Wochen schon besser zu sein. So begann ich damit drei mal in der Woche eine Runde von 6 km zu laufen. Nach nur einer Woche schaffte ich das sogar ohne Unterbrechung. Beim nächsten „Jedermannslauf“ konnte ich schon 5 Runden mithalten. Das hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Meine Läufe wurden immer länger und nach vier Wochen konnte ich schon 12 km ohne Pause laufen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals schaffen könnte.

Im Mai habe ich dann meine ersten 10 km Wettbewerbe in Paderborn und in Lippstadt mitgelaufen. Für mich galt es nur durchzuhalten und mir das Rennen richtig einzuteilen. Ich erreichte das Ziel unter 50 Minuten.

 

Wenn der Körper streikt

Doch das war wohl zu viel. Nur 10 Wochen nachdem ich mit dem Laufen begonnen hatte, zwangen mich Schmerzen in beiden Knien dazu, das Training deutlich zu reduzieren. Meine Lauffreunde gaben mir den Rat, langsamer zu laufen oder gar für einige Wochen auszusetzen. Ich pausierte schweren Herzens für zwei Wochen, danach wollte ich mal wieder einen ersten Test wagen. Wieder machte mir der Schmerz einen Strich durch die Rechnung. Ich probierte Salbenverbände, Kühlakkus und Massagen, aber nichts half. Ich Bürohengst war wohl nicht für den Sport geschaffen. Was nützen einem die besten Vorsätze, wenn der Körper streikt? So verging die Zeit des Frustes. Woche um Woche versuchte ich einen neuen Anlauf, aber spätestens nach einer halben Stunde lief nichts mehr. Als ich meine Laufschuhe schon endgültig an den Nagel hängen wollte bekam ich von einer Bekannten den Hinweis auf einen sehr guten Sportmediziner. Dieser erklärte mir, dass ich in sehr kurzer Zeit einen guten Muskelaufbau trainiert hatte, die Sehnen, Bänder und Knorpel jedoch wesentlich länger bräuchten, um sich an diese Belastungen anzupassen. Reizstromtherapie und Gummibärchen zum Knorpelaufbau war sein Lösungsvorschlag - und es hat gewirkt. Anfang September war ich endlich wieder schmerzfrei.

 

Schnapsideen entstehen beim Bier

Jetzt hieß es dosiert wieder mit dem Laufen zu beginnen, mit dem Ziel am Silvesterlauf von Werl nach Soest über 15 km dabei zu sein. Es ging immer besser, mittlerweile lief ich drei mal pro Woche 15 km und das ohne jegliche Schmerzen. Silvester stand vor der Tür und ich war bereit. Angetrieben von einem super Publikum und einem starken Läuferfeld bin ich die 15 km Strecke in nur 1 Std. und 8 Minuten für meine Verhältnisse geflogen.

Beim anschließenden Bier berichteten die Laufkollegen ihre Ziele für das neue Jahr. Marathon in Barcelona, in Köln, in Münster in Dortmund, .... Jeder hatte sein besonders Highlight für 2005 schon fest eingeplant. „Und wann läufst Du Deinen ersten Marathon?“ wurde ich gefragt. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich wollte doch nur etwas für meine Gesundheit tun, und jetzt diese Frage. Ich kannte Marathon wohl als großen Grillteller von meinem Lieblingsgriechen, aber 42 km laufen – dafür gibt es doch Autos! Ich konnte mich dafür noch nicht erwärmen und musste erst noch ein paar mal darüber schlafen. Ende Januar, nachdem ich im Internet unter www.marathon.de die Anbieter und Daten der Läufe eingehend studiert hatte reifte in mir die Entscheidung: Ich will am 17. April beim Karstadt-Ruhr-Marathon von Dortmund nach Essen dabei sein.

 

Grenzerfahrungen

Mir blieben also genau 11 Wochen um mein derzeitiges Leistungsvermögen von 20 km auf 42, 195 km zu erweitern. Manch harter Kampf stand mir noch bevor. Jetzt hieß es, sich diszipliniert an einen Laufplan zu halten, der ohne Rücksicht auf das Wetter pro Woche zwischen 60 bis zu 80 km Training vorschrieb. Drei bis vier mal in der Woche, ob bei Minusgraden, eisigen Winden, Regen oder Schnee und Eis, der Plan schrieb mir ohne Gnade vor, wann ich wieviel und wie schnell zu laufen hatte. Das Training war oft eine Grenzerfahrung, die Läufe über 20 km habe ich gemeinsam mit einen Lauffreund abgespult und die „Kurzstrecken“ habe ich alleine gemacht, da sich der Kollege eine viel schnellere Zielzeit vorgenommen hatte. Dann erwischte es mich in der Woche vor Ostern. Eine heftige Magen- und Darmgrippe fesselte mich eine Woche lang an zu Hause und in dieser Woche nahm ich 3,5 kg ab. Ich fühlte mich richtig schlapp. War all die Quälerei umsonst gewesen? Nur drei Wochen vor meinem Ziel wurde ich auf den Boden Tatsachen zurückgeholt, mir fehlten 80 Trainingskilometer. Würde ich jetzt noch die gewünschte Zeit von 4 Stunden erreichen können? Ich erreichte den Punkt, wo der anstehende Lauf einen Großteil meiner Gedanken blockierte.

Zwei Wochen vor dem eigentlichen Lauf stand mein letzter großer Härtetest auf dem Programm. An einem schönen Sonntagmorgen, wo andere noch gemütlich im Bett liegen, machte ich mich an eine 35 km Strecke. Nach nur 20 km plagten mich Seitenstiche, das hatte ich doch noch nie. Tausend Gedanken strömen einem durch den überhitzen Kopf: Was habe ich falsch gemacht? Bin ich zu schnell angegangen? Habe ich falsch geatmet? Habe ich mich falsch ernährt? Bin ich für den Marathon noch nicht weit genug?. Ich berichtete anschließen den Kollegen von meinen Seitenstichen. Diese konnten darüber aber nur lachen: „Das ist alles nur eine Kopfsache, Du bist schon viel zu nervös vor dem Lauf“. Sollte das die Erklärung dafür gewesen sein. Ich verzweifelte fast, denn auch in den folgenden kurzen Trainingsläufen hatte ich schon teilweise nach nur drei km Seitenstiche.

 

Bin ich auf dem richtigen Weg oder werde ich auf der Strecke bleiben?

17. April 2005. Der Tag der Entscheidung.

6:30 Uhr wurde ich von meinen Wecker aus einem unruhigen Schlaf gerissen. Kurzdusche, Frühstück, letzte Lockerungsmassage, Zeit für die Toilette (sehr wichtig)

7:30 Uhr Abfahrt. Meine Frau bringt uns drei Läufer aus Anröchte zum Startpunkt nach Dortmund-Bövinghausen.

9:00 Uhr Orientierungsrundgang, letzte Toilette, langsam dehnen, aufwärmen, es sind 10 Grad, es ist trocken, alles ideal, ein frischer Wind aus Osten. Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute und das wir alle das Ziel erreichen mögen. Es überkommt mich eine Gänsehaut. Ca. 20.000 Läufer stehen auf der B 235 in einer mehrere hundert Meter langen Schlange. Ich trage mein neues Laufshirt von T-Com mit dem magentafarbenen Schriftzug auf dem Rücken: „Überholen sie ruhig, ich habe Zeit!“. Entgegen dem Motto meines Shirts will ich es den Mitläufern jedoch nicht so einfach machen. An meinem Handgelenk habe ich einen Streifen, der mir für jeden km die exakte Zwischenzeit angibt. Zeit für ein letztes Stoßgebet, endlich ist es soweit.

 

Ein Marathon entscheidet sich im Kopf

10:00 Uhr Start. Die ersten Läufer machen sich auf den Weg, ich stehe immer noch auf der Stelle. Bis zur Startlinie benötige ich schon über vier Minuten.

Eine riesige Anzahl an Zuschauern treibt uns an. Die ersten Kilometer laufen super, nach 10 km liege ich fast vier Minuten unter meiner Wunschzeit. Viel zu schnell, ich muss langsamer laufen, sonst werde ich die Ziellinie nicht sehen. Km 17: meine Waden werden schon jetzt härter, das war erst ab km 30 auf meiner Rechnung. Locker bleiben, es läuft gut. Herne: die Halbmarathonis verlassen uns, es wird auf einmal richtig leer auf der Strecke, aber das täuscht nur. Man läuft keinen Meter alleine. Das Publikum ist fantastisch, es feuert an, es leidet mit. Familien warten mit großen bemalten Schildern auf ihre Helden. Schilder mit Weisheiten wie: „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt“ oder „Du schafft das“ säumen den Weg. Ich dacht immer der Pott wäre platt, weit gefehlt. Es geht ständig bergauf und bergab. Als Sauerländer habe ich bergauf meine Vorteile, bergab kommen die anderen wieder an mir vorbei. Meine Laufkollegen hatten mir vorher gesagt: „Der Marathon beginnt erst ab km 35.“ Dann kommt das einprägendeste Bild des Laufes, der km 33! Mit leichtem Gefälle führt die Straße in einer leichten Kurve nach Essen Rüttenscheid. Am tiefsten Punkt der Strecke eine Verpflegungsstation und dann soweit man sehen kann steil bergauf. Die Strecke geht jetzt bis zum Ziel fast nur noch bergauf. Viele brechen hier zusammen und gehen nur noch weiter. Der Sauerländer wittert aber, das ist mein Revier! Hier bin ich zuhause. Jeder hilft jedem. Viele quälen sich. Auch meine Waden sind kurz vorm platzen. Wer nicht mehr kann wird von dem Mitläufern angefeuert weiterzulaufen: „Komm, du hast es gleich geschafft“. Die Zuschauer geben wie die Läufer ihr Letztes. Eine Gänsehaut jagt die nächste. Bei km 38 weiß ich was es heißt, einen Marathon zu laufen. Ich bin mir sicher: „Ein Marathon entscheidet sich nicht nur in den Beinen sondern vor allem im Kopf“. Der Wille lässt einen über sich hinauswachsen. .Schon hier stehen mir vor Rührung fast Tränen in den Augen. Ich bin mir sicher, ich werde es schaffen und meine gewünschte Zeit erreichen. Der Anstieg nimmt kein Ende. Immer mehr Läufer wollen sich aufgeben, aber das große Ziel ist nicht mehr weit. Jeder gibt sein allerletztes bis endlich die erlösende Ziellinie in Sicht ist. Es ist geschafft, mit 3:57:03 stoppe ich meine Uhr. Meine Beine schmerzen so sehr, dass ich kaum noch stehen kann, aber eines ist gewiss: „Der Schmerz geht, aber der Stolz bleibt!“

387 Tage liegen zwischen meinen ersten Laufversuchen und dem Erreichen des großen Zieles. Ich musste mir das nicht antun, ich habe dafür keine Wette abgeschlossen und es gab auch keine Belohnung für meine Leistung, der Wille alleine, trotz zwischenzeitlicher Rückschläge, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren hat mir ein unbeschreibliches Erlebnis beschert. Heute tun mir die Beine noch weh, aber eines ist sicher, das war nicht mein letzter Marathonlauf.

 

Johannes Eilinghoff, 19.04.2005

 

Bericht vom Ruhrmarathon am 17.04.2005

 

 

Gekommen waren 32.000 Teilnehmer in allen Disziplinen, davon sind 20.000 mit mir in Dortmund an der Zeche Zollern gestartet. Ein sehr eindrucksvoller Massenstart, mit etwas geistlosem Geschwätz von Hera Lind vor dem Loslaufen. Es war ziemlich kalt und die Frage, ob ich das T-Shirt unter dem Singlet anlasse, hatte sich völlig erübrigt. Ich hatte zudem noch einen Gelben Sack und eine Runnerspoint - Warm- Up Weste (Plastiktüte) an.

Zum Start hatte uns die Frau von Johannes (Nicola) gebracht.

Mit uns sind auch die Halbmarathon- Läufer gestartet, und ich habe mich auf deren Tempo ziehen lassen, das war auch in Ordnung. Ich hatte einen laminierten Pappstreifen mit den errechneten Durchlaufzeiten pro Kilometer als Armband um das Handgelenk geklebt, das war eine gute Hilfe. Wir sind durch Dortmund, Bochum, Herne, Wanne Eickel und Gelsenkirchen nach Essen zur Gruga Halle gelaufen. Am Opel- Werk standen viele Opel- Arbeiter, es gab viele Samba- Gruppen und viele Musik- Getränke- und Verpflegungsstände. Außerdem standen Toto und Harry, die Sat1- Polizisten, an der Strecke, einer hat mir zugewinkt. In Herne war die Stadt berstendvoll, da war der Abbiegepunkt und das Ziel der Halbmarathon- Läufer. Da war Superstimmung, viele Leute, viel laute Musik.

Bis zu dieser Stelle hatte ich einen Vorsprung von 9 Minuten auf meinen Plan herausgelaufen. Ab dort ging es aber zunächst in Puncto Zuschauerbeteiligung deutlich bergab und in Puncto Streckenprofil stetig bergauf, und es wurde richtig anstrengend. Bis KM 34 schmolz der Vorsprung auf den Plan weg und dann wurde es richtig übel.

In Gelsenkirchen kamen wir an den „Come Together Point“, wo die Teilnehmer aus Oberhausen zu uns kamen. Die sahen aber genau so fertig aus wie wir. An dieser Stelle waren auch buchstäblich tausende Zuschauer, prima Sambagruppen und – Tänzerinnen und noch mehr Musikstände. Später kam noch der Powerbar- Stand, wo es das schleimige Gelzeug gab, was ich in meiner Hoffnung auf einen neuen Schub zu mir nahm, um dies unmittelbar darauf geschmacksbedingt zu bereuen. Zum Glück gab es direkt danach Wasser.

Es ging immer weiter, nur noch bergauf, was die Laune deutlich trübte. Fast keine ebenen Streckenabschnitte, geschweige denn abschüssige Strecke. Ich bin an sich nur noch mit meinem Willen als Betriebsstoff gelaufen, und jetzt bin ich wirklich davon überzeugt, daß man sich mit seinem Willen umbringen kann.

Die Steigung ging noch durch ganz Essen, die Zuschauer habe ich überhaupt nicht mehr wahrgenommen und mein Zeit- Armband konnte ich nicht mehr lesen. Etwas 500 m vor dem Ziel standen Karin, Anna, Melanie und Michael, da bin ich wieder bewusster gelaufen. Die letzten 200 m ging es tatsächlich bergab (eine Art Autobahnabfahrt herunter) ins Ziel, da habe ich noch einmal Gas geben können. Hat aber für die Zeit nicht wirklich was gebracht. Ich konnte mich auf einer riesigen Video- Leinwand über dem Ziel selbst laufen sehen.

 

Der Ischias- Nerv hat gut durchgehalten, nur in einer Situation tat er sehr weg. Ich hatte in Herne mehr Wasser genommen, als ich trinken konnte, und jetzt wollte ich den noch fast vollen Becher nicht einfach in die Zuschauer werfen. Daher habe ich mich rechts abgebeugt, um ihn aus halber Kniehöhe fallen zu lassen, und damit habe ich Zug auf dem linken Nerv erzeugt. Das ging aber bald weg. Die Leiste rechts war auch überwiegend unproblematisch, nur in Essen gab es da ein merkwürdiges Druckgefühl.

Richtig lädiert habe ich mir nur den linken kleinen Zeh, den ich nur noch mit Mühe als mir gehörend identifizieren konnte.

 

Das Runners- High ist erwartungsgemäß ausgeblieben, ich denke, das werde ich auch wohl nicht mehr erleben.

 

Nach dem Zieleinlauf habe ich im Innenbereich der Grugahalle zunächst die Y-Medallie bekommen und dann zwei Finishershirts, denn der Ausgeber hatte zwei auf einmal gegriffen und mir gegeben, was ich erst gemerkt habe, als ich sie in meine Tasche packen wollte. Die musste ich auch erst abholen, es war ein Sponsor- Rucksack, den jeder Teilnehmer bekommen hat. Getrunken habe ich da ziemlich viel alkoholfreies Weizenbier. Die Umkleidekabine schwamm schon im Duschwasser, das Wasser war eiskalt (das aus der Dusche, das am Boden auch), die Massageplätze waren so dicht umstellt, daß ich nicht einmal versucht habe, mich anzustellen.

Zu dieser Zeit war mir aber noch immer alles völlig egal. Mein Auto hatte ich schon am Samstag nach Essen gebracht und 300 m vom Ziel legal parken können, es ist zu meinem Erstaunen völlig unversehrt geblieben.

 

Ich habe vom Morgen bis zum Abend trotz reichlichen Trinkens (ca. 6,5 Liter incl. Nach- Dem- Rennen- Getränken) 4 Kg bis zum Wiegen am Abend verloren. Wenn ich das einige Wochen lang durchhalte, passt mein BMI vielleicht doch irgendwann. Das Signal Iduna Shirt würde aber auch jetzt nicht passen, das war ja nicht am Bauch zu eng, sondern saß sittenwidrig eng um den Brustkorb. Vielleicht bekomme ich ja auch noch ein passendes für den Münster- Marathon. Das Münster - Vorab - T-shirt habe ich mir schon gekauft.   

 

 

Martin Kampert 23.04.05

 

 

 

Der Weg zum Ultralauf, oder wie verrückt muss man sein sich solche Strapazen anzutun.

 

 

Eigentlich war es für mich nie ein Thema mehr als 1 mal im Jahr einen Marathon zu laufen, denn diese Anstrengung reicht eigentlich schon. Doch man sollte niemals nie sagen.

 

Wie es dazu kam:

 

Wenn ich so überlege kann ich sagen das Internet ist schuld das ich überhaupt über den Ultralauf nachgedacht habe. Irgendwie bin ich mal auf die Seite des Ultraläufers www.manfred-iser.de  gelandet. Es hat mich fasziniert was ich da so las. Wenn man sich einmal auf solch einer Seite festgesaugt hat, dann kommt man von einem Link zum anderen. Dann passierte es, ich landete beim Steppenhahn auf der Seite www.Steppenhahn.de, diese Internetseite hat einen Kultstatus erreicht und zeigte mir das eigentlich jeder mehr als 42,195 km laufen kann. Die ganzen Links und die vielen virtuellen Mitglieder steckten mich an. Ich fasste den Entschluss irgendwann mal mehr als die Marathondistanz in Angriff zu nehmen. Doch wie sollte ich anfangen? Als erstes bewegte ich mich stundenlang im Internet auf den verschiedenen Ultraseiten und kam auf www.cosibullig.de . Faszinierend was die Frau schon alles gelaufen hat. Das Buch von ihr musste her und ich verschlang es in kürzester Zeit. Es musste ein Lauf her um mich endlich austoben zu können. Über Stepp´s Seite kam ich auf den Run for Help in Bad Lippspringe und ich nahm mir vor dort so ca. 6 Std zu laufen. Alles lief bestens und ich hatte mich mit Stephan schon verabredet doch es kam ganz anders. Unerträgliche Hitze kündigte sich für das Wochenende an und ich begann zu zweifeln ob das der richtige Einstieg ist. Kurz vor der Abfahrt nach Bad Lippspringe beschloss ich zu kneifen und blieb zu Hause. Weiter ging es mit der Suche nach dem richtigen Einstieg in den Ultrabereich. Ich begab mich auf Stepp´s Seite ins Forum und bat um Hilfe wie ich beginnen soll und es kamen die verschiedensten Antworten. Ich studierte den Terminplan auf Stepp´s Seite und ich entschloss mich mit einem 6 Std Lauf anzufangen. Es bot sich der www.koelner12er.de an und ich meldete mich zu diesem Lauf an. Nun war es geschehen, es gab kein zurück mehr, Anmeldung und Gebühr war raus, meine Freunde aus Köln wussten Bescheid und ich konnte nun nicht mehr kneifen.

 

Der Weg dorthin:

 

Eigentlich war der Weg dorthin gar nicht so schwer, durch das umfangreiche Training zum Karstadtmarathon und den anschließenden Marathonläufen in Rüthen und Brilon war die Vorbereitung zu weiteren Läufen ideal. Stetiges Training von 50-70 km bis zum August unterstützten mein Vorhaben, gleichzeitig hatte ich mich entschlossen für Martin und Rudi beim Münster-Marathon den Zugläufer auf 4:30:00 zu machen was auch fast gelang (4:34:35). Vorher machte ich mit Rudi, der sich auf seinen ersten Marathon vorbereitet, noch einige für mich langsame Läufe um das Gefühl für ein anderes Tempo zu bekommen. Ich erhöhte den Trainingsumfang auf bis zu 85 km bis zum Münstermarathon, legte auch keine Pause vor diesem Lauf ein da er für mich nur als Trainingslauf galt. Nach dem Marathon blieben mir noch 3 Wochen Zeit in denen ich noch 40,100 und 40 km trainieren konnte. Dann war es soweit, Köln konnte kommen.

 

Die Fahrt nach Köln

 

Nervös stieg ich um 9.00 Uhr ins Auto welches mir mal wieder von meiner Firma zur Verfügung gestellt wurde. Die Fahrt nach Köln-Weiden dauerte ca. 1 ½ Std in denen mir die Tipps, von André Dreilich der „Zeitungsdieb“ aus dem Forum, durch den Kopf gingen. Hatte ich alles richtig gemacht, war ich wirklich schon soweit, habe ich mich nicht überschätzt und verlange ich nicht zuviel von meinem Körper? Nein, Angst brauchte ich keine zu haben, denn es war ein Rundenlauf mit einer vermessenen 2km Strecke aus der ich jederzeit aussteigen konnte. Der Nachteil war jedoch bei solch einem Rundenlauf die Monotonie. Doch wie schnell sollte ich nun wirklich den Lauf angehen, es war mein erster Versuch über mehr als 42,195 km die ich locker mit 4:45 min/km laufen konnte doch was passiert mit mir in den verbleibenden 2-2 ½  Std, kann ich mein Vorhaben 60+ überhaupt erfüllen? All diese Fragen blieben auf der Fahrt unbeantwortet. Als ich in Köln ankam war ich die Ruhe selbst. Ich sah die Läufer die schon seit 07.00 für den 12 Std Lauf ihre Runden drehten, unvorstellbar bis zu diesem Moment. Nach der Parkplatzsuche tummelte ich mich am Versorgungszelt rum und traf schon die ersten Läufer und Betreuer. So etwas hatte ich bis zu dieser Zeit noch nicht erlebt. Diese Ultras sind eine große Familie alle scheinen sich zu kennen und die es noch nicht taten wurden sofort in den Kreis aufgenommen. Nun ging ich zu Anmeldung in Clark´s Family Sportanlagen und holte mir dort meine Startunterlagen mit der Äußerung ich hätte mich für den Bambinilauf gemeldet. Ein Grinsen ging über alle Gesichter. So langsam lernte ich jetzt einige Steppenhühner kenne, Ein kurzes Gespräch mit der „Ultraschnecke“, ein längeres Gespräch mit dem „Lauflöwen“ Steffan Schirmer, mit ihm hatte ich vorab schon Kontakt da wir beiden hier in Köln den Einstieg wagen wollten. Nun beobachtete ich die 12 Std Läufer auf der Strecke, mir fielen die verschiedensten Lauftypen auf. Einige drehten hier gemütlich ihre Runde, andere jedoch waren unterwegs um ihre eigenen Rekorde zu brechen. Es fiel mir der gleichmäßige Rhythmus von „illönchen“ Ilona Schlegel auf, sie drehte hier schon seit mehr als 5 Std mit einem Schnitt von 10-10.30 min ihre Runden die genau 2km lang war. Sie sollte am Schluss 131 km erreichen und den Gesamtsieg mit nach Hause nehmen. Auch Robert Wimmer war bis zu diesem Moment noch gut unterwegs, musste jedoch mit Trainingsrückstand nach 8 Std aussteigen (auch ein Weltrekordhalter über einige Ultrastrecken zeigt mal Schwächen). Am Start unterhielt ich mich noch mit einem Betreuer der mich fragte was ich vor hätte, ich sagte ihm das ich Einsteiger währe und ich nicht so recht weis was ich machen solle, ich würde mir jedoch 60+ vornehmen. Er runzelte die Stirn und meinte das es wohl etwas viel währe doch das würde ich schon selbst merken. Nun war es bald soweit, die Läufer ca. 40 der sogenannten Kurzdistanz versammelten sich am Start. Es waren einige bekannte Ultraläufer am Start die ich aus dem Forum kannte, Karl Graf M55 aus dem Deutschlandkader der 24h-Läufer, Thomas Mirz  M40 Marathon – Club -  Menden, Dr. Stefan Weigelt M45. In dieser Reihenfolge kamen sie auch ins Ziel. Dann sah ich noch einen Läufer, den ich hier nie erwartet hätte Shakal Ryan, er hatte 3 Wochen zuvor am Deutschlandlauf teilgenommen, 17 Tage und über 1200 km waren sie unterwegs. Er war auf den Rückweg bei seiner Mutter zu Besuch und machte mal so eben noch einen 6er mit. Kopfschüttelnd unterhielt ich mich während des Laufes einige Minuten mit ihm, er meinte das er es nie leid würde und lief hier mal kurz 60 km.

 

Der Lauf

 

Es war 13.00 Uhr und wir wurden auf die Strecke geschickt. Es war das ideale Wetter für dieses Vorhaben, die Sonne schien und es war mit 15° nicht zu warm. Den ersten KM lief unter 5 min, viel zu schnell, ich musste mein Tempo drosseln, es pendelte sich so bei 5.00-5.15min/km ein, eigentlich immer noch viel zu schnell doch ich konnte es nicht lassen, es lief einfach super. Nach 2:35:00 Std hatte ich die 30 km voll, der Streckenposten mit dem ich mich vorher unterhalten hatte meinte ob ich das Tempo wirklich durchhalten könne, ich zweifelte langsam daran denn die Zeit war noch lang und ich nahm noch einmal das Tempo um 15 Sek. raus. Die Marathonmarke nahm ich nach 3:43:47, mir ging es gut und ich merkte das ich Zeit genug habe um mein Ziel 60+ zu erreichen. Nun konnte ich mir mehr Zeit an der Verpflegungsstelle nehmen die sehr gut bestückt war. Kurze Unterhaltungen mit anderen Läufern waren nun auch möglich. Nach 4:35:55 war ich ein Ultraläufer, ich hatte die 50 Km hinter mich gebracht und es kam zum ersten mal ein Schauer über meinen Rücken. Glückwünsche kamen von vielen Seiten, von Läufern die es gerade mitbekamen so auch von dem Begleitpersonal einiger Läufer die an der Messstation standen. Ich wartete immer noch auf das tiefe Loch in das ich noch reinfallen sollte, doch das kam nicht. So langsam bekam ich Schwierigkeiten mit meinem Oberschenkel, so etwas kann auch nur mir passieren dachte ich und biss die Zähne zusammen um wenigsten die 60 km voll zu bekommen. Nach 5:45:42 Std war es dann soweit, die 30. Rund war vollendet und die 60 km geschafft. Klar hätte ich noch eine Runde machen können um auch noch das + zu erreichen, doch was hätte es mir gebracht, Schmerzen im Oberschenkel, event. eine Verletzung an der ich dann länger zu doktern hätte. Zufrieden begab ich mich zur Massage, auf dem Nachbartisch lag schon der „Jensen“ Jens Lengelsen, auch ein Läufer aus dem Forum, er hatte seinen ersten Lauf über 12 Std hinter sich mit erreichten 100 Km und wollte keine Restmeter vermessen lassen. Er wartete bei seiner Massage auf den Abschuss des Rennens. Nach der Restmetervermessung der anderen Läufer sammelten sich diese so langsam am Duschbereich. Es waren nur zufriedene Gesichter zu sehen, scheinbar hatten alle ihre Ziele mehr oder weniger erreicht. Um 20.00 Uhr war dann noch die Siegerehrung in der Gaststätte die zum Familypark gehörte, auch hier eine tolle Atmosphäre. Um 21.00 Uhr begab ich mich auf den Rückweg.

 

Fazit:

 

Ich habe eine tolle Erfahrung gemacht, Ultralauf macht einen nicht unbedingt kaputt wenn man ihn vernünftig läuft. Nach der Auswertung meiner Uhr habe ich einen Herzfrequenzschnitt über die 6 Std von 142 Schlägen pro Minute, was mir nicht zu viel erscheint. Ich habe mich in dieser Ultrafamilie so wohl gefühlt, das ich es im nächsten Jahr so es der Zustand meines Körpers erlaubt auf jeden Fall wieder versuchen werde. Ich denke da an die 12 Std beim Kölner 12er und den Versuch 100+ zu schaffen, danach sollte dann 2007 Biel dran sein ( einmal muss man nach Biel ), vorrausgesetzt das mein Körper dieses zulässt und mein Kopf es noch will.

 

Ulrich Hermes

Anröchte im Nov. 2005

 

 

 

 

 

  Die 12 Std von Köln

Vorwort:

Das Thema warum Ultralauf habe ich schon im Vorbericht beschrieben. Als im Jan. die Anmeldung zum Kölner 12er geöffnet wurde waren nach einigen Mails Stefan ( Lauflöwe), André ( Der Lauf´s läuft), die ich vom 12er 2005 bei den 6h-Lauf kennen gelernt hab und ich  ( Roadrunner_ulli ) angemeldet. Es gab kein zurück mehr nun musste das Laufjahr geplant werden. Als erstes stand die Krötenwanderung beim Steppenhahn an, dann der Marathon in Enschede „zu dem mich Martin und Wolfgang überredeten“ und im Mai der Bergstadtmarathon in Rüthen. Im Juni der erste 24h-Lauf „ Run for Help“ in Bad Lippspringe bei dem ich lockere 127 KM erreichte. Was sollte nun meinem Vorhaben 100+ beim 12er entgegenstehen, ich brauchte nur meinen Trainingszustand halten. Es kam der heiße Sommer mit den hohen Temperaturen durch die die Lust nicht gerade angeregt wurde, es bewirkte eher das Gegenteil. Der Urlaub auf Ibiza tat sein übriges so dass ich an dem Unternehmen 100+ zweifelte. Im VirtuTel beim Steppenhahn schrieb ich: „So schlecht vorbereitet war ich noch auf keinen Wettkampf“. Als langer Lauf wurde dann noch kurzfristig der Münster-Marathon mit aufgenommen bei dem ich dann Wolfgang über seinen ersten Marathon auf 4:30:00 ziehen wollte. Wolfgang jedoch wollte es alleine schaffen, was ihm auch gelang und ich wollte dann Craig begleiten der plötzlich von 3:30:00 sprach. Eigentlich für mich kein Problem, doch ich hatte für einen Ultra trainiert. Am Vortag lief ich noch 12 Km im 5er Schnitt und hatte nun das Tempo drauf, wie lange ich es natürlich halten kann das sollte sich am nächsten Tag herausstellen. In Münster meinte Craig er wollte mich nur auf die Rolle nehmen und währe mit 3:59:00 zufrieden. Da ich jedoch jetzt auf 3:30:00 eingestellt war versuchte ich es und kam mit 3:40:xx durch. 2 Wochen später kam der Stadtschleicher aus Wiesbaden den ich in Bad Lippspringe kennen gelernt hatte um die Deponierunde kennen zu lernen von der er im VirtuTel schon so oft gelesen hatte. Auf dieser Runde legten wir uns eine Strategie für den 12er fest, wir wollten zumindest bis zum Marathon uns gegenseitig ziehen und bremsen. Es kamen noch einige Trainingswochen die mich immer noch daran zweifeln ließen die 100 km zu schaffen und ich setzte mein Ziel auf 80-90 KM runter.

 

Der Lauf:

 

Die Starterliste ließ Topergebnisse vermuten, mit diesen Ultragrößen musste es ein gutes Rennen über 12h geben.

 

6.00 Uhr:

Die ersten Läufer kamen an die Strecke, einige von Ihnen hatten zuvor in der Basketballhalle übernachtet. Ein bekanntes Gesicht nach dem anderen tauchte auf und es gab schon einige lustige Gespräche die teilweise während des Laufs fortgesetzt wurden.

 

7.00 Uhr:

Der Startschuss wurde gegeben, Stephan ( der Stadtschleicher ) und ich hielten uns im Mittelfeld auf. Wir achteten darauf dass es nicht zu schnell wurde. Nach 750m setzte sich schon die Spitzengruppe ab und wir fragten uns wann wir auf der 2km langen Strecke das erste Mal überholt würden. Um es vorweg zu nehmen, es dauerte 13 Runden also ca 2,5 Std. bis der erste Mann und 16 Runden bis Ilona die spätere Siegerin bei den Frauen an uns vorbei kamen, so schlecht konnten wir also gar nicht unterwegs sein.

In der 18. Runde begannen wir die Verpflegung im Gehen einzunehmen was ca. 30-45 Sek. mehr Zeit in Anspruch nahm. Irgendwo zwischen der 5. und 6. Std. haben Stephan und ich uns getrennt und meinten dass wir uns noch einige male über den Weg laufen würden.

 

12.30 Uhr:

Ich bemerkte dass es möglich war meine Bestleistung vom 6h-Lauf 2005 zu verbessern und legte einen Zahn zu. Es wurde Spagetti in Bechern gereicht, sie wurden im Laufen gegessen damit ich das kleine Zwischenziel erreichen konnte.

 

13.00 Uhr:

 

Um Punkt 13.00 Uhr, in unsere Halbzeit hatte ich genau 30 ½ Runden also 61,00 Km geschafft und damit meine Bestleistung um 940m verbessert und das bei einem 12h-Lauf.

Es wurde voller auf der Strecke, die 6h-Läfer waren gestartet und belebten die Strecke. Eigentlich konnte mir nichts mehr passieren, bis 13.0 Uhr lief alles gut und ich hatte 6 Std. Zeit um 40 Km zu laufen und damit mein Ziel 100 zu erreichen. Ich hatte jedoch die Rechnung ohne den Mann mit dem Hammer gemacht, ab Km 66 viel es mir schwer zu laufen und ich legte 2 Gehrunden ein für die ich 40 min benötigte. In dieser Zeit gab es einiges mit ebenfallsgehenden Ultras zu erzählen. Km 70 erreicht fing ich wieder an zu laufen und benötigte nun pro Runde zwischen 12:30 und 15:00 Min. je nach Verpflegung. Ab Km 80 lief es wieder richtig rund, ich war mir nun sicher die ersehnten 100 Km zu erreichen.

 

17.45 Uhr:

Ich bat Stefan ( der Lauflöwe ) der schon mit Blasen aus dem Rennen ausgestiegen war am PC zu überprüfen ob jetzt die 50. Runde anstand, doch der leider schlecht geschulte Zeitnehmer von Mika-Timing war nicht in der Lage wie beim Lauf 2005 die Zwischenzeiten abzurufen. Ich nahm an das die Runden die ich mit meiner Uhr gezählt hatte richtig waren und ging in die 50. Runde. Ja ich ging in diese Runde, ich wollte diese genießen denn mein Ziel sollte erreicht werden. Die letzte 300 m fing ich wieder an zu laufen, André und Stephan standen an der Ziellinie und begrüßten mich mit einer Laolawelle. Geschafft, die 100 waren voll. Ein prüfender Blick zu einem Helfer mit einer Durchgangsliste ( ich glaube es war Stefan Hinze der Präsident der D U V ) sollte mir dieses bestätigen doch er meinte dass wohl erst jetzt die 50. Runde anstehen würde. Nun wurde es eng, wenn keiner hier sicher war, so wollte ich vorsichtshalber noch 2 Runden laufen. Ich gab Gas und lief diese 2 Runden in 25 Min. so dass ich mir sicher sein konnte 100+ waren erreicht.

 

18:45 Uhr:

 

Da ich nicht frierend auf der Strecke die Restmetervermessung abwarten wollte ging ich zum Wagen und zog mich warm an um die Vermessung abzuwarten, was sollten mir event 1-1,5 KM bringen und ich könnte mich deswegen erkälten. Die Restmetervermessung ergaben genau 60m und ich ging duschen.

 

20:00 Uhr

 

Die Siegerehrung  fand in dem Restaurant der Sportstätte statt und es stellte sich heraus dass der Sieger 132,155 Km und die Siegerin 123,790 Km erreicht hatten. Plötzlich tauchte die vorläufige Ergebnissliste auf und ich sah bei mir Platz 15 mit 104,060 Km. Hatte ich mich also nicht verzählt und somit ein tolles Ergebnis erreicht. Der Gedanke „Nie wieder“ der mir bei Duschen kam verflog und schon lautete es bei der Verabschiedung bis 2007.

 

Tage später:

Ich bekam eine Mail das ich doch mal in die „Deutsche Bestenliste 12 Std-Lauf“ schauen solle. Es war kaum zu glauben was ich dort las, Platz 27 in der Bestenliste 2006. Dieses Ergebnis beflügelt natürlich und ich könnte mir vorstellen mit einer besseren Vorbereitung sind beim nächsten Kölner 12er event. 120 Km drin. ( Mal sehen)

 

Fazit:

Der Lauf war mal wieder bestens organisiert, mein Dank an die Helfer die unermüdlich über 12 Std für uns da waren, an den StadtschleicherStephan Schmitt aus Wiesbaden der mich so lange begleitet hat, an Stefan und André, es war aus vorgenannten Gründen ein kurzweiliger Lauf. Natürlich muß ich wieder nach Köln zum 12er, mal sehen ob ich noch einige Road Runner zu den 6 Std überreden kann. Da ich weder Gelenkprobleme oder Muskelkater hatte und die Auswertung meiner Uhr eine Durchschnittsfrequenz von 135 Schläge/Min ergab kann ich nur sagen das mir der Lauf gut bekommen ist und ich mich nicht total verausgabt habe. Bin ich nun bei den Genußläufern angekommen?

 

 Ulrich Hermes

Anröchte Okt. 2006

 

 

 

 

Vom Roadrunner zum Offroadrunner

 

Eine Idee entsteht: Der schneereiche Winter 2006 brachte meine Frau und mich auf die Idee doch ganz spontan einen Langlaufurlaub zu machen. Der Videotext meldete für Oberhof 72 cm und für Schmiedefeld 82 cm Schneehöhe. Schmiedefeld, wo ist das denn? Die Straßenkarte zeigte, dass Schmiedefeld nur knapp 20 km von Oberhof entfernt im Thüringer Wald lag. Ich habe direkt am gleichen Abend eine Ferienwohnung gebucht und nur drei Tage später waren wir vor Ort und haben die bestens präparierten Loipen genossen. Die Temperaturen kamen tagsüber nicht über -5 C hinaus aber es war keine Wolke am Himmel zu sehen. So wünscht man sich einen Skiurlaub.

Bei einem der Läufe kam ich an einem Denkmal für „GuthMuts“ vorbei. Wer war denn Herr GuthMuts. Ich erkundigte mich und erfuhr, dass er ein wesentlicher Mitbegründer der Breitensportbewegung im Osten Deutschlands war. Und dass der bekannte Rennsteiglauf nach ihm benannt sei. Schmiedefeld sei nämlich das Ziel aller Rennsteiglaufstrecken: 21, 43 und 76 km. Damals ahnte ich noch nicht, welche Anziehungskraft dieser Ort einmal auf mich ausüben würde, jedoch, ein Crosslauf und dass in bergiger Landschaft? Da wurde doch gleich der Sauerländer in mir wach. Da möchte ich auch irgendwann einmal mitlaufen.

Von Laufbekanntschaften hatte ich schon einmal vom Rennsteiglauf in Thüringen gehört, der es wirklich in sich haben sollte. Als Flachländer muss man schon etwas verrückt sein, um sich dem Thema Rennsteig zu nähern, aber seinen Reiz übte der Rennsteig schon damals auf mich aus. Doch zunächst verlor ich den Rennsteig wieder aus dem Sinn.

 

Die Vorbereitung: Als ich bedingt durch eine familiäre Tragödie im Oktober 2006 ein neues Ziel und eine neue Herausforderung für mich suchte, kam mir der Rennsteig doch sehr schnell wieder in Erinnerung. Deshalb verlegte ich ab November meine Trainingseinheiten von der flachen Feldflur in hügeliges Gelände. Ulli, unser Laufleitwolf riet mir damals davon ab, den Rennsteig zu laufen, dafür benötige ich noch eine viel längere Vorbereitungszeit. Doch wenn ich mir erst einmal etwas in den Kopf setze, …. Die Nettelstädtrunde, und die Anstiege von Robringhausen, Altenmellrich, Waldhausen und Uelde waren fortan meine Trainingsheimat. Samstags schloss ich mich der Laufgruppe in Rüthen an um in einer Gruppe im Gelände trainieren zu können. Ich fühlte mich schnell fit genug für 20 km und beim Silvesterlauf von Werl nach Soest wollte ich meine bisherige Bestzeit von 1:08 Std. brechen. Das einzige was brach war ich selbst. Ich hatte mich total überschätzt und bin eingebrochen wie ein blutiger Anfänger. Das hat mich erst einmal umgehauen. Aber ich hatte immer noch mein großes Ziel, den Rennsteig vor Augen.

Im Januar machte Kyrill die Wälder für lange Zeit unpassierbar und ich musste mein Training wieder auf die Strasse verlegen. Zum Glück gab es keinen Schnee, so dass ich den ganzen Winter laufen konnte. Ab Ende März war meine geliebte Nettelstädtrunde wieder ohne Gefahr zu belaufen und ich merkte sofort, dass ich auf eine Crossstrecke gar nicht eingestellt war. Bei langen Trainingsläufen und Intervalltraining standen mir mit Wilhelm und Uwe zwei echte Lauffreunde zur Seite, die für mich eine wichtige Unterstützung waren. Gut zwei Wochen vor dem Lauf begann wieder das bekannte Nervenspielchen: Ich bekam Seitenstiche, wie schon vor zwei Jahren. Das passierte mir bei 3 Trainingsläufen in Folge, doch dieses Mal behielt ich die Nerven, denn ich wusste, das gehört bei mir in der Vorbereitung einfach dazu.

In der Vorbereitung habe ich mit allen Hilfen gearbeitet, die mir nur einfielen. Wochenlang kein Alkohol, keine Zigarette, Intervalltraining und Anstiege bis zum Abwinken. Das Höhen- und Streckenprofil hatte ich schon hunderte Mal im Internet nachgelesen. Meine Trinkflasche wurde mit dem Höhenprofil beklebt um auf alles vorbereitet zu sein. Und als Doping gönnte ich mir jeden Abend Gummibärchen oder Schokolade zur Belohnung. Das hat meinem Gewicht nicht geschadet. Zum Wettkampf zeigte die Waage nur 72,2 kg an.

Das Abenteuer kann beginnen: Dann kam der Tag X. Das viele Training hatte endlich ein Ende und ich war schon seit Tagen auf nichts anderes als den Lauf anzusprechen. Am Freitag hatte ich meine Startunterlagen am Startort Neuhaus am Rennsteig abgeholt und statt einer Pastaparty gab es am Startort eine Kloßparty. Die habe ich mir so zwischendurch gegönnt. Zum Abendessen gab es noch einmal Nudeln mit Steak. Danach konnte ich sogar wieder Erwarten gut schlafen. 5:15 Uhr, der Wecker reißt mich aus dem Schlaf. Anziehen, Toilette, ein kleines Frühstück mit Haferflocken, eine Banane und ein Honigbrötchen für unterwegs. 5:40 Uhr ich verlasse geküsst von meiner lieben Nicola die Ferienwohnung in Frauenwald und fahre mit dem Auto nach Schmiedefeld. Ich erwische den letzten Parkplatz am Bahnhof – Glück gehabt. Zeit für Nachrichten im MDR „In Eisenach startet in diesen Minuten der Rennsteiglauf. Über 1700 Leute machen sich auf den Weg ….“

Stille und Gebet. „Lieber Gott, wenn das was ich mir heute antue gut ist, dann hilf mir dabei das Ziel zu erreichen, wenn mir die Kraft ausgeht.“

6:30 die Busse nach Neuhaus fahren hunderte von Läufern zu ihren Startorten Oberhof und

Neuhaus. Ich gehe direkt in die GuthMuts-Halle. Warteschlange vor der Toilette. 20 Minuten, endlich bin ich dran. In der Halle ist es angenehm temperiert. Ich ziehe meine Laufsachen an, nehme mein Frühstück (das Brötchen und die Banane) zu mir und trinke noch über einen halben Liter Wasser. Der MDR überträgt schon vor dem Start live und ich werde natürlich auch befragt, ob ich den Lauf noch einmal in Gedanken durchgehe. „Ich kenne die Strecke nicht, ich laufe hier zum ersten Mal und will eigentlich auch nur gesund ins Ziel kommen“. „Viel Glück“ wünscht man mir. Ich werde es benötigen.

8:45 Uhr der Kleiderbeutel ist abgegeben. Draußen spielt eine Blaskapelle um die Stimmung anzuheizen, denn es ist doch noch etwas frisch. Ich bin einer der wenigen Läufer, der noch eine Windbreakerjacke trägt. Die Ärmel habe ich aber herausgetrennt.

 

Hop oder Top, oder der Wahnsinn nimmt seinen Lauf: 8:50 Uhr die Kapelle spielt den Schneewalzer und dann das Rennsteiglied. Die Meisten können alle Strophen mitsingen und jeder klatscht mit. Eine Stimmung wie beim Frühlingsfest der Volksmusik. Ein Hubschrauber, der Bilder für den MDR macht überkreis das Startgelände. Die Spannung steigt. Der Moderator zählt von 10 herab und alle grölen mit. Der Startschuss fällt (nicht)– die Pistole hat versagt, aber das stört hier keinen.

Die ersten laufen los und ich erreiche in knapp zwei Minuten auch die Startlinie. Es geht direkt ab der Ziellinie für ca. 1 km durch ein Plattenbau-Wohngebiet über eine schmale Strasse mit ca. 4 % Steigung bergauf. Die Masse der über 3000 Starter bewegt sich gleichförmig wie ein Wurm den Berg hinauf. Danach geht es auf eine breite Bundesstraße durch Neuhaus. Jetzt gilt es sein eigenes Tempo zu finden. Leider gibt es keine Kilometer-angaben, so dass man nach Gefühl sein Tempo gestalten muss. Nach 5,6 km verlässt man die Bundesstrasse. Ich bin es in 5:50 pro km locker angegangen, der Silvesterschock hat gewirkt. Der folgende Waldwanderweg ist recht schmal und aufgrund der vielen Läufer kann man die Bodenbeschaffenheit schlecht einsehen. Immer wieder muss man im letzten Moment noch den Pfützen und Schlaglöchern ausweichen. Überholen ist kaum möglich. Ca bei km 8 überquert man einen kleinen Asphaltweg und dann geht es zum ersten Mal über einen Wiesenweg steil bergauf. Hier gehen viele schon nur noch, aber ich laufe durch und mache viele Plätze gut. Km 10,6, die erste Verpflegung und es ist noch keine Stunde um. Ich höre in mich hinein. Ruhiger Puls, alles im grünen Bereich – so kann es weiter gehen. Jetzt geht es über einen Waldweg leicht bergab. Viele laufen jetzt wieder an mir vorbei, aber ich weiß, das Tempo ist gut für mich. Und schon geht es den zweiten Berg hinauf. Der Weg ist jetzt recht unwegsam. Zickzack über Baumwurzeln und Steine direkt über einen schmalen Weg den Berg hinauf zur Turmbaude Masserberg, der zweiten Verpflegungsstation bei km 18,8. Bis dahin ging das noch alles relativ leicht, aber viele hatten mir vorher gesagt, dass die zweite Hälfte wesentlich schwieriger sei.

Jetzt geht’s los: So kam es dann auch, jetzt ging es ständig rauf und runter. Ein Hohlweg über 1,1 km wurde überwiegend gegangen, da er so steil bergab ging und ohnehin kein überholen möglich war. Hier musste man höllisch aufpassen, denn Wurzeln, große Steine und eingebaute Stufen machten einen normalen Lauf unmöglich. Danach ging es weiter teils über Wiesen, Straßen und Waldwege nach Neustadt zur Verpflegungsstelle 28,8 km. Mittlerweile wurden sogar die Kilometer regelmäßig beschildert. Ich lag jetzt bei 2:50 Std., knapp unter 6 Minuten im Schnitt, doch die folgenden 10 km sollten es in sich haben. Die folgenden Anstiege waren nicht mehr so lang aber dafür umso steiler. Ich hatte mir vorgenommen, wenn möglich durchzulaufen, aber schon beim ersten Berg hinter Neustadt musste ich das Vorhaben aufgeben. Hier ist keiner mehr gelaufen. Der Berg war ungefähr so steil wie der vor Nettelstädt, aber mindestens doppelt so lang und über Wurzeln und Steine. Also war Gehen angesagt und das auch bei den zwei folgenden Erhebungen. Es fehlte jetzt einfach die Kraft um noch laufen zu können. Beim Monument Frauenwald gab es an der letzen Verpflegungsstation sogar das berühmte Köstritzer „Läuferbier“, aber das habe ich mir nicht angetan. Haferschleim und Wasser wie schon zuvor und noch ein Gel das musste reichen bis zum Ziel. Was hätte ich dafür gegeben, hier schon im Ziel zu sein. Aber jetzt hieß es nur noch gegen den eigenen Schweinehund anzukämpfen und sich ins Ziel zu retten. Ich ließ es langsam angehen um noch eine minimale Reserve für den Schlussanstieg zu haben, denn in Schmiedefeld angekommen, musste auf dem letzten Kilometer noch eine Steigung von 89 Höhenmetern erklommen werden. Mit der Anfeuerung des Publikums habe ich diesen letzten Berg ohne Unterbrechung durchgelaufen und mich auf die „Stadionrunde“ begeben. Aber auch die war mit künstlich angelegten Hügeln gespickt. Ca . 200 m vor dem Ziel erwarteten mich Nicola und Victoria. Ich nahm Victoria auf meine Schultern um mit ihr zusammen die letzten Meter bis ins Ziel zu laufen. Das hatte ich ihr versprochen. In meiner Euphorie habe ich sogar vergessen, im Ziel meine Uhr zu stoppen. Und so erfuhr ich meine Endzeit erst Minuten später. Mein Wunsch war es zwischen 4:15:00 und 4:30:00 anzukommen, ab liebsten unter 4:21:00, denn das wäre genau der 6 Minuten Schnitt. Den habe ich mit meiner Endzeit von 4:23:58 Std. jedoch um 4 Sek/km verpasst. Aber man muss ja noch Ziele haben ;-)

 

Fazit: Noch im Zielbereich fragt Nicola mich, ob ich den Lauf noch einmal machen würde? Aufgrund der Anstrengung konnte ich das aber nicht bejahen. Am nächsten Tag aber wusste ich, dass ich, wenn ich noch einmal so gute Vorbereitungszeit bekäme, sofort wieder an den Start gehen würde. Der Rennsteig ist eine große Herausforderung, aber die Mühe wert. Die Organisation ist perfekt, die Landschaft wunderschön, und die Wege sehr abwechslungsreich. Publikum gibt es jedoch sehr wenig. Nur an den Versorgungspunkten und Wanderer an der Strecke feuern einen an. Im Zielbereich ist aber eine super Party. Ich selbst habe diesen Lauf ohne Muskelkater überstanden und mir auch keine Blase gelaufen. Nur vier Tage später habe ich innerhalb von nur 50 Minuten alle Disziplinen für das Sportabzeichen abgelegt und dabei die 1.000 m in 3:35 Minuten und die 3.000 m in 13:09 Minuten gelaufen.

 

Meine Helfer: Ein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle meiner leiben Frau Nicola, die aufgrund des erhöhten Trainings viele meiner Haushaltsaufgaben übernommen hat. Nicht vergessen möchte und werde ich Uwe Kückelheim und Wilhelm Mues-Hane, die mich auch in den frühesten Morgenstunden oder bei kräftezehrenden Intervallen begleitet haben.

 

Johannes Eilinghoff

Anröchte den 21.05.07


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